Cyber-Bedrohungen für KMU

Ein Leitfaden zur Absicherung

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) agieren zunehmend digitalisiert. Daher gewinnt die Cyber-Sicherheit an Bedeutung. Manuel Bach, ein Experte des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), hat dieses Thema auf der Veranstaltung 'IT-Sicherheit: Umgang mit Hackerangriffen' am 29. März 2023 eindrucksvoll adressiert. Die Cyber-Sicherheit ist von zentraler Bedeutung für die Widerstandsfähigkeit und das Wachstum von KMU.

Herr Bach bietet in seinen Ausführungen einen tiefgründigen Einblick in die aktuellen Herausforderungen und Risiken im Bereich der Cyber-Sicherheit. Er gibt auch praktische Ansätze, wie KMU sich effektiv schützen können. Dieser Artikel zielt darauf ab, die Kernaussagen von Herrn Bach zu destillieren und KMU wertvolle Orientierungspunkte für die Stärkung ihrer Cyber-Abwehr zu bieten.

Rolle und Funktionen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spielt eine wichtige Rolle in der deutschen Cyber-Sicherheitslandschaft. Es ist als zentrale nationale Behörde damit betraut, die Informationssicherheit in Deutschland zu verbessern und zu stärken.

Historie und Aufgabenbereiche des BSI

Das BSI wurde 1991 gegründet und ist seit über 30 Jahren im Bereich IT-Sicherheit tätig. Im Laufe der Zeit hat sich sein Aufgabenbereich stetig erweitert. Heute umfasst er nicht nur die Abwehr von Cyber-Angriffen und die Förderung der IT-Sicherheit in Unternehmen und Behörden, sondern auch die Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Cyber-Sicherheitsrisiken.

Das BSI arbeitet eng mit anderen nationalen und internationalen Institutionen zusammen, um einen umfassenden Schutz gegen Cyber-Bedrohungen zu gewährleisten.

Jährliche Berichte und zunehmende Cyber-Bedrohungen

Ein zentrales Element der Arbeit des BSI sind die jährlichen Lageberichte zur IT-Sicherheit. Diese Berichte geben einen umfassenden Überblick über die aktuelle Bedrohungslage im Bereich Cyber-Sicherheit und sind eine wichtige Informationsquelle für Unternehmen, Behörden und die breite Öffentlichkeit. Die Berichte zeigen auf, wie sich Cyber-Bedrohungen entwickeln, welche neuen Risiken entstehen und wie sich die Angriffsvektoren verändern.

Leider verweisen diese Berichte immer wieder auf eine zunehmende Häufigkeit und Komplexität von Cyber-Angriffen. Deshalb ist es notwendig, kontinuierlich in präventive Maßnahmen und eine stetige Weiterentwicklung der IT-Sicherheit zu investieren.

Das BSI ist daher Vorreiter im Kampf gegen Cyber-Bedrohungen und leistet wichtige Unterstützung, um Deutschland in einer zunehmend digitalisierten Welt sicherer zu machen.

Aktuelle Cyber-Sicherheitslage

Die Landschaft der Cyber-Sicherheit verändert sich schnell. KMU sind dabei vielen digitalen Risiken ausgesetzt.

Anstieg der Cyber-Bedrohungen und Warnmeldungen

Daten und Analysen der letzten Jahre zeigen, dass die Anzahl der Cyber-Bedrohungen und Warnmeldungen deutlich gestiegen ist. Dieser Trend spiegelt eine globale Verschärfung der Sicherheitsrisiken wider. Es gibt eine wachsende Zahl von gemeldeten Vorfällen, Sicherheitslücken und digitalen Angriffen. Besonders für KMU ist diese Entwicklung besorgniserregend, da sie oft nicht über die gleichen Ressourcen zur Abwehr solcher Bedrohungen verfügen.

Im Jahr 2020 haben wir insgesamt sieben Millionen solcher Warnungen rausgeschickt [...] und im Jahr 2021 waren schon mehr als doppelt so viel 14,8

Manuel Bach
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Einfluss der Digitalisierung

Die zunehmende Digitalisierung von Geschäftsprozessen bietet viele Vorteile, birgt aber auch neue Sicherheitsrisiken. Mit jeder neuen Technologie, jedem vernetzten Gerät und jeder digitalen Innovation öffnen sich potenzielle Einfallstore für Cyber-Angriffe. Daher müssen KMU, die digitale Technologien nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, auch ihre Sicherheitsstrategien entsprechend anpassen und verstärken.

Evolution der Ransomware

In der heutigen Cyber-Sicherheitslandschaft ist die Evolution der Ransomware ein besonders alarmierendes Phänomen. Ransomware ist eine Form der Malware, die darauf abzielt, Daten zu verschlüsseln und Lösegeld für die Entschlüsselung zu fordern. Heutige Ransomware-Angriffe sind nicht nur raffinierter und zielgerichteter, sondern oft auch Teil eines komplexeren Erpressungsszenarios. Kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich gegen immer raffiniertere Angriffsformen zu verteidigen.

KMU müssen sich aktiv mit der Cyber-Sicherheit auseinandersetzen. Um diesen Bedrohungen zu begegnen, sind nicht nur technologisches Know-how und Ressourcen erforderlich, sondern auch kontinuierliche Bemühungen in der Cyber-Sicherheitsbildung und bei präventiven Maßnahmen.


Ransomware und deren Auswirkungen

Ransomware ist nach wie vor eine der größten Bedrohungen in der Cyber-Sicherheitslandschaft. Das wurde auch in Manuel Bachs Vortrag deutlich. Besonders für KMUs können die Auswirkungen dieser Angriffsform verheerend sein.

Beispiele für Ransomware-Angriffe und deren finanzielle Schäden

In seinem Vortrag erörterte Bach beunruhigende Beispiele für Ransomware-Angriffe. Diese verdeutlichen das Potenzial dieser Bedrohung. Einer der bekanntesten Fälle ist der WannaCry-Angriff. Er traf 2017 weltweit Unternehmen und Organisationen. Die Angriffe führten zu erheblichen Betriebsunterbrechungen und enormen finanziellen Verlusten.

Solche Angriffe können für KMU existenzbedrohend sein. Sie verfügen oft über begrenzte Ressourcen. Neben dem unmittelbaren finanziellen Schaden können sie auch langfristige Auswirkungen auf das Kundenvertrauen und die Unternehmensreputation haben.


Entwicklung von Erpressungsmodellen in der Cyber-Kriminalität

Bach betonte, dass sich die Ransomware-Taktik weiterentwickelt hat. Anfangs wurden Daten verschlüsselt und ein Lösegeld für deren Freigabe gefordert. Heute können moderne Ransomware-Angriffe zusätzlich damit drohen, sensible Daten zu veröffentlichen oder sogar Kunden der betroffenen Unternehmen direkt zu kontaktieren.

Die Entwicklung hin zu einem mehrschichtigen Erpressungsmodell stellt eine zunehmende Bedrohung dar. Unternehmen müssen präventive Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

Manuel Bach hob hervor, wie wichtig es für KMUs ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass Ransomware mehr als nur ein IT-Problem ist - es handelt sich um eine umfassende Geschäftsbedrohung. Um die Auswirkungen von Angriffen zu minimieren, sind ein ganzheitlicher Ansatz zur Risikominderung und regelmäßige Schulungen für Mitarbeiter unerlässlich.

Angriffe auf Wirtschaft und öffentliche Verwaltung

Manuel Bach hebt hervor, dass Cyber-Angriffe eine breite Palette von Zielen betreffen, darunter sowohl private Unternehmen als auch öffentliche Institutionen.

Markante Beispiele:

  • Angriff auf die Uniklinik Düsseldorf: Notaufnahme musste schließen, da die Systeme lahmgelegt wurden. Dies zeigt die potenziellen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und das Wohlbefinden der Menschen.
  • Cyber-Angriffe auf Kommunen und Bundesländer: Führen zu langwierigen Wiederherstellungsprozessen und hohen Kosten.

Universelle Bedrohung:

  • Keine Organisation ist immun: Sowohl kleine Unternehmen als auch öffentliche Einrichtungen sind potenzielle Ziele für Cyber-Kriminelle.
  • Fehleinschätzung der Risiken: KMU und öffentliche Einrichtungen könnten fälschlicherweise annehmen, weniger attraktive Ziele zu sein, was sie tatsächlich anfälliger machen könnte.

Notwendigkeit robuster Cyber-Sicherheitsstrategien:

  • Alle Organisationen, unabhängig von ihrer Größe oder Branche, müssen eine umfassende Strategie zur Cyber-Sicherheit entwickeln und umsetzen.
  • Kontinuierliche Anstrengungen erforderlich: Die Bedrohung durch Cyber-Angriffe ist konstant und erfordert ständige Wachsamkeit und Anpassung der Sicherheitsmaßnahmen.

Risikomanagement und Präventionsmaßnahmen

Wichtigkeit von Notfallkonzepten und Datensicherung

  • Entwicklung von Notfallkonzepten: Diese sind entscheidend für die schnelle und effektive Reaktion auf Sicherheitsvorfälle. KMU sollten detaillierte Pläne haben, die im Falle eines Cyber-Angriffs greifen.
  • Bedeutung der Datensicherung: Regelmäßige Backups sind unerlässlich. Sie ermöglichen es Unternehmen, nach einem Angriff schnell wieder operativ zu sein und minimieren Datenverluste.

Selbst wenn sie sich gut vorbereiten wird es vermutlich dazu führen dass sie irgendwann mal trotzdem dabei sind bei den Opfern

Manuel Bach
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Reaktion auf Warnungen und die Rolle der Geschäftsführung

  • Proaktive Reaktion auf Sicherheitswarnungen: Manuel Bach betont die Notwendigkeit, auf Warnungen und Empfehlungen von Institutionen wie dem BSI zu reagieren. Dies beinhaltet das umgehende Beheben identifizierter Schwachstellen.
  • Verantwortung der Geschäftsführung:
    • Die Geschäftsführung spielt eine zentrale Rolle im Risikomanagement. Sie muss nicht nur die Wichtigkeit der IT-Sicherheit verstehen, sondern auch aktiv Maßnahmen zur Risikominderung fördern und unterstützen.
    • Klare Verantwortlichkeiten: Die Geschäftsleitung muss sicherstellen, dass sowohl technische als auch organisatorische Sicherheitsmaßnahmen im Unternehmen verankert sind.

Cybersicherheitsmaßnahmen und Best Practices

Ein wesentlicher Bestandteil von wirksamen Cybersicherheitsmaßnahmen ist die Implementierung von Best Practices. Dazu gehört der Umgang mit Passwörtern, Authentifizierungsverfahren, Makros und dem Abschluss von Cyber-Versicherungen.

Sichere Passwörter sind besonders wichtig, da sie die erste Verteidigungslinie gegen unbefugten Zugriff bilden. Manuel Bach betont, dass Passwörter komplex und einzigartig sein sollten. Passwörter sollten eine Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen enthalten und regelmäßig geändert werden. Cyber-Kriminelle haben es leicht mit einfachen oder häufig verwendeten Passwörtern.


Eine weitere wichtige Sicherheitsmaßnahme ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Diese verlangt neben dem Passwort einen weiteren Nachweis der Identität, beispielsweise einen Code, der an das Mobiltelefon des Nutzers gesendet wird. Diese Methode erschwert es Angreifern erheblich, Zugang zu sensiblen Informationen oder Systemen zu erlangen, selbst wenn sie das Passwort kennen.

Auch der Umgang mit Makros in Programmen wie Microsoft Office ist ein kritischer Punkt. Makros können für automatisierte Aufgaben nützlich sein, aber auch als Werkzeuge für die Ausführung von Schadsoftware missbraucht werden. Bach empfiehlt, Makros standardmäßig zu deaktivieren und nur vertrauenswürdige Makros zu aktivieren.

Unternehmen sollten auch über eine Cyber-Versicherung nachdenken, um einen wesentlichen Teil des finanziellen Risikos abzudecken, das mit Cyberangriffen verbunden ist. Es ist wichtig, sorgfältig die verschiedenen Angebote zu prüfen und eine Versicherung zu wählen, die dem individuellen Risikoprofil entspricht.

BSI-Angebote und Unterstützungsleistungen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bietet eine Reihe von Angeboten und Dienstleistungen, um KMU in ihrer Cyber-Sicherheit zu unterstützen.

Förderung von Sicherheitsberatungen und Dienstleistungen

  • Geförderte Beratungen: Das BSI fördert Sicherheitsberatungen, um KMU dabei zu helfen, ihre Sicherheitsinfrastrukturen zu evaluieren und zu verbessern.
  • Zugang zu qualifizierten Dienstleistern: KMU können auf ein Netzwerk von durch das BSI qualifizierten Beratern und Dienstleistern zugreifen, die speziell für die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen ausgerichtet sind.

BSI-Ressourcen und Unterstützung für KMU

  • Informative Webseiten: Das BSI stellt umfangreiche Informationen und Ressourcen auf seiner Webseite bereit, die speziell für KMU konzipiert sind.
  • Newsletter und Warnmeldungen: KMU können sich für Newsletter anmelden, um aktuelle Informationen und Warnungen zu Cyber-Bedrohungen zu erhalten.
  • Broschüren und Leitfäden: Das BSI veröffentlicht regelmäßig leicht verständliche Broschüren und Leitfäden, die KMU bei der Implementierung von Cyber-Sicherheitsmaßnahmen unterstützen.
  • Schulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten: Das BSI bietet Schulungen und Workshops an, um das Bewusstsein und die Kompetenz von KMU in Bezug auf Cyber-Sicherheit zu stärken.



Durch diese Angebote und Dienstleistungen unterstützt das BSI KMU dabei, ihre Cyber-Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und sich gegen die wachsende Bedrohung durch Cyber-Angriffe zu wappnen.


Zusammenfassung und Aufruf zum Handeln

In einer digital vernetzten Welt sind KMU konfrontiert mit einer Vielzahl von Cyber-Bedrohungen, die sowohl ihre Geschäftstätigkeiten als auch ihre Daten gefährden können. Die Ausführungen von Manuel Bach beim BSI verdeutlichen die Dringlichkeit, proaktive Maßnahmen zu ergreifen und die verfügbaren Ressourcen effektiv zu nutzen.

Wichtigste Punkte und Empfehlungen

  • Risikobewusstsein: Erkennen und Verstehen der vielfältigen Cyber-Bedrohungen.
  • Sicherheitsstrategien: Implementierung robuster Cyber-Sicherheitsmaßnahmen und Best Practices, darunter sichere Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung.
  • Präventive Maßnahmen: Entwicklung von Notfallkonzepten und regelmäßige Datensicherungen.
  • Nutzung von BSI-Angeboten: Zugang zu Ressourcen und Dienstleistungen des BSI für eine umfassende Unterstützung.

Handlungsempfehlungen

  • Aktive Maßnahmen ergreifen: KMU sollten nicht zögern, ihre Sicherheitsprotokolle zu überprüfen und zu verbessern.
  • Weiterbildung und Schulungen: Regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen für Mitarbeiter sind unerlässlich, um das Bewusstsein für Cyber-Sicherheit im gesamten Unternehmen zu schärfen.
  • Geförderte Beratungen nutzen: Nehmen Sie die Möglichkeit wahr, geförderte Beratungen und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, um die Sicherheit Ihres Unternehmens zu gewährleisten.

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