Regeneration als Wettbewerbsvorteil: Zukunftssichere Geschäftsmodelle im Mittelstand

Ein Interview mit Sebastian Flock von acb studio

Die Weltwirtschaft verändert sich rasant: Lieferketten geraten ins Wanken, Rohstoffe werden knapper und regulatorische Anforderungen steigen – gerade für mittelständische Unternehmen wächst der Druck, zukunftsfähig zu wirtschaften. Wie kann der Mittelstand seine Wettbewerbsfähigkeit sichern und gleichzeitig mehr zurückgeben, als er nimmt?
Im Interview, welches Claudia Kubsch (GFKD AG) mit Experte Sebastian Flock, Gründer und Geschäftsführer von acb studio, geführt hat, geht es um regenerative Geschäftsmodelle, die Rolle der Digitalisierung und die Frage, wie mittelständische Unternehmen durch strategische Weichenstellungen resilienter, innovativer und langfristig profitabel bleiben können.

Nachhaltigkeit reicht nicht mehr: Warum der Mittelstand jetzt weiterdenken muss

Viele mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt, Emissionen bilanziert und sich ambitionierte „Net Zero“-Ziele gesetzt. Doch die Realität zeigt: Reine Schadensbegrenzung genügt nicht mehr. Regenerative Wirtschaft denkt weiter – sie fragt nicht nur, wie sich negative Auswirkungen ausgleichen lassen, sondern wie unternehmerisches Handeln aktiv zur Stabilisierung und Stärkung ökologischer und sozialer Systeme beitragen kann. „Net Positive“ bedeutet, mehr zurückzugeben, als entnommen wird – und damit die Grundlage für langfristige Wertschöpfung zu sichern.

Resilienz in unsicheren Märkten

Gerade der Mittelstand spürt die Folgen globaler Umbrüche unmittelbar: Instabile Lieferketten, volatile Rohstoffpreise, steigende Energiekosten und wachsende regulatorische Anforderungen. Hinzu kommt ein intensiver Wettbewerbsdruck durch international agierende Anbieter und neue digitale Geschäftsmodelle. Wer heute ausschließlich auf kurzfristige Effizienz optimiert, riskiert morgen seine Handlungsfähigkeit. Regenerative Strategien setzen genau hier an. Sie stärken Lieferketten durch Partnerschaften, fördern Kreislaufmodelle statt linearer Produktion und reduzieren Abhängigkeiten von knappen Ressourcen.
So wird Nachhaltigkeit nicht zum Kostenfaktor, sondern zur Investition in unternehmerische Resilienz. Mittelständische Unternehmen, die frühzeitig weiterdenken, positionieren sich nicht nur ökologisch verantwortungsvoll – sie sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend unsicheren Welt.

Vom Hidden Champion zum Vorreiter: Regeneration als strategische Entscheidung

Im deutschen Mittelstand sind strategische Richtungsentscheidungen häufig eng mit der Haltung von Eigentümerinnen, Eigentümern oder der Geschäftsführung verbunden. Regenerative Transformation ist daher selten ein reines Projekt – sie ist eine bewusste Führungsentscheidung. Der Impuls entsteht oft dort, wo Verantwortung persönlich wird. Die Frage „Welche Welt übergebe ich meinen Enkelkindern?“ ist kein Marketing-Slogan, sondern ein strategischer Wendepunkt. Wer diese Perspektive einnimmt, verlagert den Fokus von kurzfristiger Rendite hin zu langfristiger Wirkung – und setzt klare Signale ins Unternehmen.

Ein Nordstern für die Transformation

Das Beispiel Bürkert zeigt, wie eine solche Entscheidung konkret aussehen kann. Mit dem Eintritt eines neuen CEOs wurde das Thema regenerative Wirtschaft strategisch verankert. Anstatt isolierte Maßnahmen umzusetzen, entwickelte das Unternehmen zunächst ein gemeinsames Zielbild – einen „Nordstern“, an dem sich künftige Entscheidungen ausrichten. Von dort aus werden schrittweise Prozesse, Innovationsfelder und Lieferketten überprüft und neu gedacht.

Produkt, Lieferkette, Gewinn: Wie regenerative Geschäftsmodelle konkret aussehen

Regenerative Wirtschaft zeigt sich konkret im Produktdesign, in der Lieferkette und im Umgang mit Gewinnen. Das Beispiel Interface verdeutlicht, wie ein Unternehmen sein Geschäftsmodell auf Kreislauffähigkeit umstellt. Statt großflächiger Austauschlösungen setzt es auf modulare Bodenbeläge, die einzeln ersetzt und wiederverwertet werden können. So entstehen CO₂-negative Produkte und geschlossene Materialkreisläufe.

Kreislauf statt Austausch

Gerade für mittelständische Unternehmen liegt hier ein enormes Potenzial. Oft genügt es, bestehende Produkte oder Komponenten neu zu denken: reparierbar statt ersetzbar, modular statt monolithisch, partnerschaftlich statt isoliert. Regeneration bedeutet nicht zwangsläufig radikale Neugründung – sondern intelligente Weiterentwicklung des Bestehenden.
Ein anderes Beispiel liefert der Seifenhersteller Dr. Bronner’s. Neben ökologischer Produktverantwortung setzt das Unternehmen stark auf soziale Stabilisierung innerhalb und entlang der Lieferkette. Gewinne werden gezielt reinvestiert – in faire Arbeitsbedingungen, langfristige Partnerschaften und gesellschaftliche Projekte.

Gewinn als Hebel für Stabilität

Hier zeigt sich ein erweitertes Verständnis von Kapitalismus: Profit bleibt wichtig, wird jedoch als Mittel zur Stärkung ökologischer und sozialer Systeme eingesetzt. Für den Mittelstand bedeutet das nicht, wirtschaftliche Ziele aufzugeben – sondern sie strategisch mit langfristiger Stabilität zu verbinden. Regenerative Geschäftsmodelle machen aus Gewinn keinen Selbstzweck, sondern einen Hebel für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.

Vernetzt statt isoliert: Warum Co-Creation zum Erfolgsfaktor wird

Der deutsche Mittelstand war lange erfolgreich, weil er sein Know-how schützte, Patente sicherte und technologische Vorsprünge verteidigte. Dieses Denken hat viele Hidden Champions hervorgebracht. Doch regenerative Geschäftsmodelle verlangen einen Perspektivwechsel: Nicht Abschottung, sondern Zusammenarbeit wird zum strategischen Vorteil.

Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette

Open Innovation bedeutet, Innovation nicht allein im eigenen Unternehmen zu entwickeln, sondern gemeinsam mit Lieferanten, Kunden und Forschungseinrichtungen. Gerade in komplexen Lieferketten entstehen so Lösungen, die ein einzelner Akteur kaum stemmen könnte – etwa bei der Reduktion von Emissionen, der Entwicklung zirkulärer Materialien oder der Stabilisierung globaler Beschaffungsstrukturen. Partnerschaften erhöhen Transparenz, verteilen Risiken und stärken die gemeinsame Resilienz.

Netzwerkdenken als Zukunftsmodell

Regenerative Wirtschaft folgt dabei einem Prinzip, das sich in der Natur beobachten lässt: Im Waldboden ist alles miteinander verbunden. Nährstoffe, Mikroorganismen und Pflanzen bilden ein Netzwerk – schließt sich ein Teil ab, verliert er seine Lebenskraft. Übertragen auf Unternehmen heißt das: Wer isoliert agiert, riskiert langfristig den Anschluss. Wer hingegen vernetzt denkt, Kooperationen eingeht und Wissen teilt, schafft Innovationskraft und Stabilität zugleich.
Für mittelständische Unternehmen bedeutet das nicht, ihr geistiges Eigentum preiszugeben. Es bedeutet, strategisch zu entscheiden, wo Zusammenarbeit Wettbewerbsvorteile schafft – und wo gemeinsames Handeln nachhaltiger wirkt als Einzelkämpfertum.

Vor der Welle bleiben: Wie Mittelständler konkret starten können

Regenerative Strategien beginnen nicht mit einem radikalen Umbau des Geschäftsmodells, sondern mit klaren ersten Schritten. Entscheidend ist, ins Handeln zu kommen – bevor äußere Krisen dazu zwingen. Wer wartet, bis Lieferketten reißen oder regulatorische Vorgaben den Druck erhöhen, gerät schnell ins Reagieren statt ins Gestalten.

Die richtigen Kennzahlen setzen

Ein zentraler Hebel liegt in den KPIs. Unternehmen werden über Kennzahlen gesteuert – und wer Kennzahlen verändert, verändert Verhalten. Schon kleine Anpassungen in Zielvereinbarungen können regenerative Aspekte sichtbar machen: etwa Ressourceneffizienz, Kreislauffähigkeit oder Partnerschaftsqualität entlang der Lieferkette. So wird Nachhaltigkeit Teil der strategischen Steuerung – nicht bloß ein Zusatzprojekt.
Gleichzeitig braucht es Orientierung. Selbststudium, Austausch mit Praxisbeispielen oder der Dialog mit Wissenschaft und Netzwerken helfen, das Konzept einzuordnen und Vorbehalte abzubauen.

„Good enough to try“

Statt alles von A bis Z durchzuplanen, empfiehlt sich ein agiler Ansatz. Pilotprojekte, Prototypen oder interdisziplinäre Teams schaffen Erfahrungswissen – und zeigen schnell, wo Potenzial liegt. Nicht jede Maßnahme wird sofort perfekt sein. Doch jedes Experiment stärkt die Lernkurve und damit die Resilienz des Unternehmens.
Sebastian Flock nutzt dafür ein Bild: Wer als Surfer erfolgreich sein will, positioniert sich vor der Welle – nicht unter ihr. Mittelständische Unternehmen, die heute beginnen, regenerative Prinzipien schrittweise zu integrieren, sichern ihre Handlungsfähigkeit von morgen. So wird Nachhaltigkeit zum strategischen Vorteil – und Resilienz zur Grundlage langfristiger Wettbewerbsfähigkeit.

Hinweis: Dieser Artikel ist auf Basis des Interviews und unter zu Hilfe nahme Künstlicher Intelligenz geschrieben worden.

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Interview

Regeneration als Wettbewerbsvorteil: Zukunftssichere Geschäftsmodelle im Mittelstand

Sebastian Flock, acb studio & Claudia Kubsch, GFKD AG